Garteng'schichten
Unkrautgedanken - Gedankenunkraut
Unkraut zupfen, die Weinviertler Version von Jäten, nicht so edel der Ausdruck
aber ebenso erfolgreich. Bei dieser ausgesprochen meditativen Arbeit fallen
mir die Worte einer Gartenfreundin ein: "Ich jäte nur noch die Blumen!"
Das Tauschen - Zierpflanzen wurden selten gekauft in den Dörfern. Ableger
musste man entweder im "Vorbeigehen" ergattern oder andere begehrte
Objekte zum Tausch anbieten. Es hat sich bis heute nicht viel geändert
und viele in meinem Garten tragen die Namen von ihren Vorbesitzern, verbunden
mit lieben Erinnerungen. Leni, Resi, Frieda, Heli, Heidi, Maria, Gabi, Uli usw.
Ob sich auch an von mir Weitergegebenes mein Name geheftet hat? Vielleicht heißt
ja einer der vielen abgegebenen Zürgelbäume "der Parbus".
Außer ein paar Hartnäckigen wie Fingerkraut und Günsel, mit
denen mich ein stilles Abkommen verbindet, finde ich viele, mir seit Jahren
vertraute Sämlinge. Von Pfeifenstrauch über Sonnenhut, Veilchen, Minze,
Glockenblume, Verbene bis zu roter Gartenmelde, Cosmeen, Dreimasterblume, Aland
und Johanniskraut, Holunder, Äpfel und Pfirsich, Efeu reicht die Zahl der
Vermehrungsfreudigen. Vor meinem geistigen Auge entwickelt sich ein völlig
neuer Garten: Holunderinseln mit schwarz-blau gefleckten Gartenmöbeln,
Apfelwäldchen in strammer Habt-Acht Haltung (mehr Platz käme ja auf
keinen), umrandet von Sonnenhut und Cosmeen, efeuumschlungene Gartenwege, die
ihre Fesseln dem Lustwandler um die Füße legen. Duftende Liegewiesen
aus Veilchen und Minze, zart umgaukelt von Glockenblumen, wo der Anblick der
blauen Dreimaster den Ruhenden in weite Fernen führt. Himbeeren, Pfirsich
und Erdbeeren laden den geistig Entflohenen zu irdischen Genüssen im warmen
Sonnenlicht.
Auf meinem "Gebetsteppich" kniend, um die Beete rutschend, stellt
sich mir die Frage "Vertreibe ich nicht das Paradies?" Vielleicht
verhindert mein Eingreifen doch den harten Kampf, der unweigerlich um die besten
Plätze entflammen würde. Der Gummikübel quillt über - Zeit,
ihn dem Kompost zu überlassen. Mein Gedankenunkraut werfe ich mit dazu
in der Hoffnung, fruchtbarer Humus möge daraus entstehen!



Wenn Du Deinen Fuß auf sieben Gänseblümchen setzen kannst, dann ist der Sommer da.